European Journal of Economics and Economic Policies: Intervention

Forum: Die Zukunft des Wohlfahrtsstaats im Lichte der Generationenbilanz

The Future of the Welfare State in the Light of Generational Accounting

Abstract

First paragraph

Die aus der demografischen Wende begründete Notwendigkeit einer Reform des Wohlfahrtsstaates ist nahezu unbestritten. Ausgangspunkt der Suche nach Reformvarianten ist die Abschätzung der künftigen Entwicklung von Produktion und Pro-Kopf-Einkommen. Gleichgültig, welches Verfahren dabei gewählt wird, ob über eine Produktionsfunktion oder über eine Prognose der Arbeitsproduktivität: die entscheidenden Bestimmungsgrößen des Bruttoinlandsprodukts (BIP) pro Kopf und seiner Zu- oder Abnahme sind die Entwicklung von Produktivität, Arbeitszeit, Arbeitslosigkeit, Erwerbsverhalten und Belastungsquotient (d. h. die Relation der Bevölkerungszahl im nichterwerbsfähigen Alter zur Bevölkerung imerwerbsfähigen Alter). In Wachstumsraten ausgedrückt also:

W Y B = W A P + W A Z W A L Q + W E Q W B Q

Das Pro-Kopf-Einkommen steigt, wenn die Summe (WAP + WAZ WALQ + WEQ ) größer als WBQ ist. Eine eventuell wieder wachsende Bevölkerung kann sehr unterschiedlich wirken: Steigt die Kinderzahl, so erhöht sich zunächst der Belastungsquotient, um mit Eintritt dieser zusätzlichen Bevölkerung in das Erwerbsleben (unter sonst gleichen Bedingungen, d. h. nur einmalig höhere Geburtenzahl und unveränderte Lebenserwartung) zu sinken und dann beiihrem Eintritt ins Rentenalter wieder zu steigen. Dem entsprechend wirkt eine Erhöhung der Geburtenrate auf das Pro-Kopf-Einkommen je nach betrachtetem Zeithorizont sehr unterschiedlich. Die entscheidenden Stellschrauben für die Bewältigung der demografischen Veränderung sind somit zunächst eine Reduzierung der Arbeitslosigkeit, eine wachsende Erwerbsbeteiligung – vor allem der Frauen und der Älteren zwischen 50 und 65 Jahren – und Produktivitätsanstiege auf Basis des technischen Fortschritts, verbesserter Bildung, Forschung, Entwicklung und Investitionen. Keine der vorliegenden Untersuchungen dazu bezweifelt, dass die erforderliche Wachstumsrelation möglich ist, auch wenn das für die nächsten Jahrzehnte – bis 2040/2050 – für Deutschland prognostizierte Wachstum des Pro-Kopf-Einkommens in Abhängigkeit von den unterstellten Parameteränderungen sehr unterschiedlich ausfällt. Im Bericht der Rürup-Kommission steigt das BIP pro Kopf um 90 Prozent (unterstellte jährliche Wachstumsrate der Produktivitat von konstant 1,8 Prozent) (BMGS 2003: 60). Nach Reuter (2004: 5) steigt das BIP pro Kopf um 75 Prozent; er unterstellt eine konstante Wachstumsrate der Arbeitsproduktivität von 1,5 Prozent. Geht man von einem konstanten absoluten Zuwachs je Zeitperiode und nicht von einer konstanten Wachstumsrate aus, was eher dem bisherigen Verlauf entspricht und wohl realistischer ist, kann das Pro-Kopf-Einkommen bis 2050 um etwa 50 Prozent steigen.

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