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Forum: Keine »demographische Wende« am Arbeitsmarkt in Sicht

No »Demographic Turn« in Sight on the Labour Market

Abstract

First paragraph

Betrachtet man die in jüngster Zeit vorgelegten Vorausberechnungen zur mittel- und langfristigen künftigen Entwicklung des Erwerbspersonenpotenzials bzw. der Arbeitsmarktbilanz, so ist – bei aller Skepsis über die Treffsicherheit solcher Prognosen – von wenig rosigen Perspektiven für Arbeitnehmer und Politik zu sprechen:

  • – Der Prognos Deutschland Report 2030 sagt noch einen kurzfristigen weiteren Anstieg der Arbeitslosenquote und dann zwar einen deutlichen Rückgang voraus; der Wert für 2015 wird aber nach dieser Quelle immer noch bei neun Prozent liegen, fur 2030 ist von 5,9 Prozent die Rede. Mit den Worten »Deutschlands Zukunft fehlen Jobs« und »Vollbeschaftigung ist auch langfristig nicht in Sicht« betitelte das Handelsblatt (vgl. Storbeck 2006) die Berichterstattung über diese Studie.

  • – »Wer bei hohen Arbeitslosenzahlen auf eine baldige demographische Entlastung der Arbeitsmärkte hofft, sieht sich getäuscht. Die hinter den globalen Zahlen stehenden Altersgruppen erzeugen eine andere Dynamik, die die erwartete Trendwende weiter in die Zukunft hinaus verzögert« (Bucher/Schlömer 2006: 69), so das einschlägige Ergebnis aus der Raumordnungsprognose 2020/2050 des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung.

  • – Auch die neue Projektion der Arbeitsmarktbilanz des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erwartet bis 2015 eine Unterbeschäftigung von 10,3 Prozent des Arbeitsangebots, bis 2020 von 6,8 Prozent (vgl. Fuchs et al. 2005). Dabei sind die vom IAB auf der Basis der neuen Projektionen des Erwerbspersonenpotenzials (vgl. Fuchs / Dörfler 2005) vorgelegten Zahlen inzwischen realistischer als die alten Projektionen (aus diesen haben speziell die Arbeitgeberverbände mit Lust und List die besonders niedrigen Varianten für ihre Propaganda herausgegriff en; vgl. Kistler 2006), wenn auch die interpretative Aufmerksamkeit von Teilen des IAB – für ein Institut der Bundesagentur für Arbeit erstaunlich (!) – vor allem einer sehr lang fristig rechnerisch denkbaren Verknappung von Arbeitskräften und weniger der auch nach IAB-Zahlen persistierenden Massenarbeitslosigkeit gilt.

Solchen Prognosen einer noch lange anhaltenden Massenarbeitslosigkeit stehen in der politischen und medialen Öffentlichkeit breit kolportierte Aussagen gegenüber, die eine baldige »demographische Wende« am Arbeitsmarkt beschwören. Von einem angeblich schon bestehenden »Fachkräftemangel« ist die Rede, der sehr bald in einen generellen Arbeits - kräftemangel umschlagen werde. Auch hierzu einige Beispiele:

  • – »Ab 2010 und danach fortschreitend werden in Deutschland die Arbeitskräfte rar« (Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung 2001: 1).

  • – »Bis zum Jahr 2015 fehlen nach Schätzungen im ungünstigsten Fall rund 7 Millionen Erwerbspersonen, wenn man von einem Anstieg des Arbeitskräftebedarfs von knapp 3 Millionen ausgeht« (Kommission zum Abbau .2002: 118).

  • – »Der demographische Wandel beschneidet die Wachstumsaussichten der Industrieländer in den kommenden Jahrzehnten, weil mit der Überalterung der Bevölkerung die Zahl der Erwerbstätigen abnimmt […]. In Ländern mit absehbarem beträchtlichem Arbeitskräftemangel werde das Angebot von Gütern und Diensten die Nachfrage der Konsumenten nicht befriedigen können, sagte Richard Smans vom Weltwirtschaftsforum« (o. V. 2004: 1).

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