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Forum: Diskutieren und Zitieren: Zur paradigmatischen Konstellation aktueller ökonomischer Theorie

Debating and citing: A comment on the paradigmatic stance of current economic theory

Abstract

First paragraph

Mit dem Ausbruch der größten Wirtschaftskrise seit den 1930er Jahren sehen manche, insbesondere heterodoxe Ökonominnen und Ökonomen, auch bereits das Ende der neoklassischen Vorherrschaft im Bereich ökonomischer Forschung und Lehre dräuen. Wie schon vor 1930 hat die herrschende volkswirtschaftliche Lehre die Krise nicht nur nicht vorhergesagt, sondern ihr mit naivem Vertrauen auf die Selbstregulierungskräfte und Allokationseffizienz von Märkten im Allgemeinen und Finanzmärkten im Speziellen sogar den Weg bereitet (Ferraro et al. 2005, Friedman/Friedman 2009). Warum soll es also nicht wie nach 1930 mit Keynes zu einem Wandel in der ökonomischen Disziplin kommen? Unserer Meinung nach ist eine Rückkehr des Keynesianismus nicht viel mehr als bloßes Wunschdenken. Erstens, weil spätestens seit Kuhn (1996) und Feyerabend (1977) klar ist, dass empirisches Scheitern keineswegs automatisch zu paradigmatischer Erneuerung sondern in der Regel nur zu neuen ›Puzzles‹ führt. Unangetastet bleiben dabei der »hard core« (Lakatos 1978), die zentralen Axiome des Paradigmas. Zweitens ist die intellektuelle Vorherrschaft, ja »paradigmatische Hegemonie« (Gramsci) des neoklassischen Denkens in der ökonomischen Disziplin 2009 ungleich robuster als sie es nach 1929 war. Dies nicht nur, weil damals Keynes' Thesen noch neu und unbefleckt von allzu mechanistischer Auslegung in späteren Jahren waren oder weil es mit institutionalistischen und marxistischen Ansätzen noch andere alternative Theoriestränge mit relativ großer Verbreitung gab. Der größte Unterschied sind unserer Ansicht nach institutionelle Veränderungen in der Organisation des Wissenschaftsbetriebs, die paradigmatischen Wandel schwieriger und unwahrscheinlicher machen.

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