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Special Forum on »The current crisis and the role of the state«: Protektionismus: Die Grenzen der Staatsintervention in den 1930er Jahren

Protectionism: The limits of state intervention in the 1930s

Abstract

First paragraph

»Manchmal bleibt dem Historiker nur die ernüchternde Einsicht, dass es, auch nach der Prüfung aller hypothetischen Möglichkeiten, für schwierige Situationen überhaupt keine gute, sondern nur eine vielfach belastete Lösung gibt.« (Wehler 2003: 215)

Die erste Weltwirtschaftskrise und ihre Bewältigung gelten als Präzedenzfall für die Modelle der Krisenbekämpfung nach dem Crash 2008. Die Versuche von 1930 bis 1939, der Krise Herr zu werden, schätzen insbesondere Liberale als verfehlt ein, weil die Rezession nicht schnell überwunden werden konnte und eine Rückkehr zum alten Liberalismus in den Industriestaaten nicht gelang. Das drückt sich in der negativen Bewertung der wohl prägenden wirtschaftspolitischen Linie der 1930er Jahre aus: dem nationalen Protektionismus. In der Forschung dominierte lange unwidersprochen die Auffassung, dass der Protektionismus die Krise verschärft habe, mithin die Kosten für die Hilfe der eigenen Industrie den Nachbarn auferlegt habe, somit den Imperialismus gefördert und den Weg in den zweiten Weltkrieg forciert habe (u.a. Deppe 2003: 377). Aber die Bilanz der wirtschaftspolitischen Maßnahmen kann inzwischen als gemischt angesehen werden, weil auch Stimmen wieder Gehör finden, die die stabilisierende Wirkung des Protektionismus in den 1930er Jahren würdigen (Mazower 2000: 188). Denn langfristig waren es der New Deal respektive der eng verwandte Keynesianismus, die letztlich die Krise überwanden. Die positive Seite dieser Konzepte wird meist in der Wende zur Staatsintervention gesehen, wobei gern übersehen wird, dass früher Keynesianismus und New Deal protektionistisch ausgelegt waren (u.a. Keynes 2008: 109). Zumindest der New Deal hatte stabilisierende Wirkungen, auch wenn erst die Mobilisierung des Krieges die Nachfrage- und Arbeitsmarktprobleme beseitigten. Letztlich bewältigt war die Depression aber erst, als die Wirtschaft der Vereinigten Staaten nicht in die erwartete Nachkriegskrise rutschte, sondern boomte (Brinkley 1995: 175).

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